Schöpfung für die Enkel erhalten

Ruderting, den 12.01.2018

Schöpfung für die Enkel erhalten PNP-Bericht vom 10.01.2018

Ökumenische Ilzsegnung ruft zum Schutz des „Überlebensmittels“ Wasser auf – Schwimmkerzen mit Bitten ins Wasser gesetzt

 

Theresia Wildfeuer. Pfarrer Markus Krell und sein evangelischer Kollege Thomas Plesch haben bei einer ökumenischen Ilz-Segnung am Badeplatz in Fischhaus den Schutz des Wassers betont. Sie ließen dabei einen alten Brauch der Ostkirche zum Fest der Taufe Jesu weiterleben. Rund 120 Besucher, darunter Pfarrer i. R. Hans Schiermeier, indische Priester, Bürgermeister Rudolf Müller, Vertreter der Kolpingfamilie Ruderting und des Kirchenchors Neukirchen vorm Wald unter der Leitung von Johann Schwaiberger folgten der Einladung der Sektion Ruderting-Neukirchen vorm Wald des Bayerischen Wald-Vereins, der evangelischen Kirchengemeinde Tiefenbach-Tittling und des katholischen Pfarrverbands Tiefenbach-Haselbach-Kirchberg vorm Wald-Ruderting.

 

Flusssegnung vor 16 Jahren initiiert

 

Mit der Ilz-Segnung, die unter dem Thema „ÜberLebensMittel Wasser“ stand, werde die Tradition fortgeführt, die fließenden Wasser zu segnen, sagte Pfarrer Krell, der die Flusssegnung in Fischhaus vor 16 Jahren initiiert hatte. Zeitgleich finde an der Donau in Niederalteich zum 25. Mal eine Flusssegnung mit Bischof Stefan Oster statt. In der Pfarrei Röhrnbach werde im Rahmen einer Bachpatenschaft wieder der Osterbach gesegnet. In Regensburg spendete der evangelische Regionalbischof Hanns-Martin Weiss der Donau den Segen.

Johannes Schmidt, Ehrenvorsitzender der Sektion des Bayerischen Wald-Vereins, erinnerte an Martin Luthers 95 Thesen und die Umwelt-Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus, die „Krankheitssymptome“ des Gesellschaftsmodells aufzeige. Die weltweite Bewegung „Slow Food“ und das Hilfswerk Misereor verfassten in Anlehnung an Luther „95 Thesen für Kopf und Bauch“. Zusammen mit Tochter Barbara Schmidt, Vorsitzende von Misereor Bayern, trug er daraus Thesen zum Thema „Wasser“ vor.

Die Erde sei der einzige Planet, auf dem Leben nachgewiesen wird, sagte Johannes Schmidt. Es gebe also keinen „Notausgang“. Zwei Drittel der Weltbevölkerung lebten in Gebieten, die mindestens einen Monat im Jahr von Wasserknappheit betroffen sind. Kein Wasser bedeute kein Essen, Konflikt und Krieg sowie Flucht, sagte Barbara Schmidt. Zur Erzeugung von 1000 Kalorien Fleisch aus Massenhaltung würden vier Kubikmeter Wasser benötigt, für 1000 Kalorien aus Getreide nur ein halber Kubikmeter Wasser. In einem Jahr landeten zehn bis 13 Millionen Tonnen Plastik in den Meeren. Deutschland sei Spitze beim Verbrauch. Der globale Fischhunger sei nicht „enkeltauglich“. Nur 0,3 Prozent der Süßwasserressourcen seien leicht nutzbar.

„Alle meine Quellen entspringen in dir“, stimmte der Kirchenchor Neukirchen vorm Wald an, der traditionelle Lieder darbot. Die Wasserprobleme der Menschheit seien riesig, sagte Pfarrer Krell. Er bat um Erleuchtung und Mut, „um das Steuer noch herumzureißen“ und „neue“ Menschen, die Gewässer vor Vermüllung und Verschmutzung schützen, sich dem Gemeinwohl verpflichten.

Der evangelische Pfarrer Thomas Plesch würdigte seinen katholischen Kollegen Krell, der den Gedanken der Flusssegnung in der Region „eingepflanzt“ habe, der in Ruderting, Röhrnbach, Regensburg und Niederalteich fruchtbar geworden sei, sowie auch Johannes Schmidt. Die Veranstaltung an dem schönen Badeplatz mit ihren harten Texten über Wasser- und Fischverbrauch sei nicht vergnügungssteuerpflichtig. Doch die Bewahrung der Schöpfung könne man nicht vom Wohnzimmer aus schaffen. Wasser gehöre mit Erde, Luft und Feuer zu den vier Elementen. Jedes davon sei gefährlich, wenn die Dosis nicht passt, ob zu wenig oder zu viel. Die Passauer und Fischhauser wüssten angesichts häufiger Hochwasser ein Lied davon zu singen.

Plesch erläuterte die „Jahreslosung 2018“, das Bibelwort: „Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ Der Pfarrer erzählte vom „Durst des Lebens“, dem Durst in der Gesellschaft nach Begegnung. Die Teilnehmer fänden diese in Fischhaus, wenn sie miteinander beten und singen. Der Durst nach „echter“ Begegnung, nach Anerkennung, Liebe und Berührung werde angesichts zunehmender „Whats-App-Botschaften“ immer größer. Auch Wasser tue den Menschen gut. Er wünschte den Zuhörern, dass ihre Seele „gewässert“ werde, damit sie wachsen kann. Er nannte die Schöpfung ein Geschenk, mit dem es ordentlich umzugehen gelte, das zu pflegen sei. Eines der wertvollsten Geschenke sei auch die Taufe. Dabei spiele das Wasser eine zentrale Rolle. Das Wasser der Taufe verbinde mit Gott.

 

Grundlagen des Lebens nicht zerstören

 

In Fürbitten trugen Barbara und Johannes Schmidt sowie Josef Kölbl, Vorsitzender der Sektion Ruderting-Neukirchen vorm Wald des Bayerischen Wald-Vereins, ihre Anliegen vor. Sie baten, dass die Menschen die Wunder der Schöpfung wahrnehmen und aufhören, Gewässer zu verschmutzen und die Grundlage des Lebens zu zerstören. Sie beteten für eine Agrarwende und die Küstenbewohner, deren Existenz durch den Anstieg der Meere bedroht ist.

„Im Jordan wirst du, Herr, getauft“, sang Pfarrer Krell beim Flusssegen mit Thomas Plesch. Weil der Boden am Ufer sehr feucht war, verzichteten sie darauf, das von Reinhart Jungwirth geschmückte Kreuz des Bayerischen Wald-Vereins in die Ilz zu tauchen. Mit Gebet und Segen klang die Feier aus. Josef Kölbl lud ein, Schwimmkerzen zu entzünden und mit eigenen Bitten die Ilz hinab zu schicken. Jungwirth half den Besuchern dabei.

 

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