Rückschau auf altes Brauchtum

Ruderting, den 06.02.2018

Rückschau auf altes Brauchtum PNP-Bericht vom 06.02.2018

Nächtliche Fackelwanderung nach St. Kolomann – Allerhand Gruseliges über die Rauhnächte

 

Neukirchen vorm Wald. Nach altem Brauch machte sich eine illustre Gesellschaft vom Parkplatz der Firma Bayerwaldfenster auf und wanderte zum Kirchlein St. Kolomann. Hintergrund war das Innehalten zum christlichen Fest Lichtmess, aber auch eine Rückschau auf das Brauchtum früherer Tage, den Aberglauben und die gruseligen Geschichten rund um die Rauhnächte.

Knapp 20 Minuten waren sie unterwegs, die „Kolomänner“ und „Kolofrauen“, als sie an der Kirche eintrafen, begrüßt vom Geläut der Glocke. Das Kirchenschiff war gut vorgeheizt, so dass es sich trotz der frischen abendlichen Temperaturen gut aushalten ließ. Zur Freude der Wanderer ließ es sich Kurt Brunner, der Leiter der Kreismusikschule, nicht nehmen, persönlich am Keyboard die Gruppe musikalisch zu begrüßen. Im Verlauf des Abends zeigten Brunner und Sophia Lang auch ihre außergewöhnlichen gesanglichen Qualitäten.

Gekonnt führte Konrad Kobler, der Vorsitzende des Vereins zum Erhalt der St. Kolomannkirche, in die beschauliche Stunde ein. Das Brauchtum erlebe eine Renaissance, so der ehemalige Landtagsabgeordnete. Früher, und das sei noch gar nicht so lange her, habe es um diese Zeit viel Schnee und eisige Temperaturen gegeben. Da habe man zu Lichtmess den Kerzenvorrat für das Jahr weihen lassen, auf Kerzenmärkten habe man sich eindecken können, und an diesem Tag endete der Arbeitsvertrag der Dienstboten in der Landwirtschaft. Eine rasante Entwicklung habe diese schweren Zeiten, in denen aber noch Dorfgemeinschaft gepflegt wurde, fast vergessen lassen.

Bei ihrem Vortrag zeigte Eva-Maria Öttl auf, wie heute Bräuche aus den Rauhnächten Hochkonjunktur feierten. Sie seien Teil der Unterhaltungsbranche geworden. Sie schließe sich dem nicht an, weil diese Tage verbunden waren mit Furcht einflößenden Geschichten und unerklärlichen Vorgängen. Freilich waren das auch Zeiten, in denen der Mensch noch viel mehr den Widrigkeiten der Natur ausgesetzt war. So wollten sich selbst Christen mit der Finsternis versöhnen. An Beispielen, die unter die Haut gingen, ja bei manchem Gänsehaut auslösten, verdeutlichte Öttl die damalige Situation an den Tagen zwischen dem 25. Dezember und dem 6. Januar und dem Aberglauben wie zum Beispiel, dass man an diesen Tagen keine Wäsche waschen und aufhängen sollte.

Lichtmess sei ein Tag der Hoffnung. Keine andere Religion bringe dieses Licht von Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit so wie die christliche Botschaft. „Heiliger Kolomann, ermutige uns“, schloss Ev-Maria Öttl ihren interessanten Vortrag, für den es am Ende viel Applaus und Blumen gab, ebenso für die wunderbaren Stimmen von Sophia Lang und Kurt Brunner. Bei Gulaschsuppe und Glühwein gab anschließend mancher noch seine eigenen Erlebnisse mit Gespenstern und unheimlichen Begebenheiten zum Besten.

Bürgermeister Georg Steinhofer blieb da nur noch, sich bei allen Akteuren und den Gästen zu bedanken. Ein lebendiges St. Kolomann sei die beste Werbung für seine Gemeinde, stellte der Bürgermeister treffend fest. sl

 

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