Schäden durch Biber und Rehwild

Ruderting, den 13.03.2018

Schäden durch Biber und Rehwild PNP-Bericht vom 12.03.2018

Jagdgenossenschaft verpflichtet die Jagdpächter auf Erhöhung des Abschussplans

bis 120 Prozent

 

Hans Schauer. Die Angst vor der Afrikanischen Schweinepest und der Ärger über die durch Rehwild verursachten großen Verbissschäden waren die beherrschenden Themen bei der Jahreshauptversammlung der Jagdgenossenschaft Ruderting.

Nach einer Gedenkminute für die verstorbenen Mitglieder berichtete Vorstand Georg Jungwirth von der Versammlung der Jagdgenossenschaften im Landkreis Passau. Dort sei die Angst vor der Afrikanischen Schweinepest, übertragen durch Wildschweine, vor allem bei den landwirtschaftlichen Betrieben deutlich zu spüren gewesen. Jungwirth geißelte in diesem Zusammenhang eine Supermarktkette, die Rohwurst aus Polen verkaufe, wobei man nicht wisse, welche Zutaten darin enthalten seien.

 

Ärger mit Biber und Borkenkäfer

 

Zu einer immer größeren Plage in der Waldbewirtschaftung werde der Biber, vor allen Dingen an der Ilz und am Dettenbach, wo er große Schäden an wertvollen Laubhölzern anrichte und seinen Aktionsradius mittlerweile bis an die angrenzenden Hänge ausgeweitet habe, hieß es. Jagdvorstand Jungwirth richtete daher an die Gemeinde Ruderting, vertreten durch Bürgermeister Rudolf Müller, die Bitte, beim Landratsamt Möglichkeiten einer Bestandsregulierung auszuloten.

Auch das Borkenkäferproblem verschärfe sich von Jahr zu Jahr und werde dieses Jahr durch die von Sturm Kolle angerichteten Schäden vermutlich noch größer. Da vielerorts eine Verjüngung der Waldbestände vollständig fehle, werde vom Rehwild alles gefressen, was aus dem Waldboden ragt. Ein Vegetationsgutachten könne durch das staatliche Forstamt allerdings nur auf kleinen Flächen und an wenigen Punkten im Gebiet der Jagdgenossenschaft erstellt werden. Der Jagdvorsteher appellierte an die Waldbesitzer, eine Naturverjüngung mit Mischwald anzustreben, wofür es vom Landwirtschaftsministerium aus dem Waldförderprogramm 2018 einen Zuschuss von bis zu 1000 Euro je Hektar gebe.

Der Zusammenhang zwischen Waldverjüngung und dem Bestand an Rehwild ist laut Georg Jungwirth keine Erfindung der Rudertinger Waldbesitzer, sondern werde durch ein bereits 1986 von den Jagdpächtern verfasstes Schreiben belegt, worin es heißt, bei der Naturverjüngung und Neuanpflanzung von Waldflächen habe die Bejagung des Rehbestandes Vorrang. Wie es auch das Bayerische Jagdgesetz vorschreibt, ist ein Bestand von fünf bis sieben Rehen auf einhundert Hektar Fläche sinnvoll. Im vorigen Jahr wurden von den Waldbesitzern gemeldete Verbissschäden gesammelt und nach einer internen Besprechung mit den Jagdpächtern und Bürgermeister Rudolf Müller diesen übergeben. Für Jagdvorsteher Georg Jungwirth muss eine standortgerechte Naturverjüngung im gesamten Bereich der Jagdgenossenschaft Ruderting oberste Priorität haben, dazu ist aber auch eine entsprechende Anpassung des Rehwildbestandes zwingend erforderlich.

Kassenführer Konrad Glanzer konnte eine positive Bilanz vermelden und so war nach dem Prüfbericht von Christian Schätzl die einstimmige Entlastung der Vorstandschaft die Konsequenz. Von der Jagdpacht wird durch einstimmigem Beschluss der Jagdgenossen, den Partnerinnen wieder ein Tagesausflug finanziert. Die Jagdpacht soll allerdings erst 2019 ausgezahlt werden, denn es muss ein neuer Jagdkataster erstellt werden. Dies geschah bisher durch die Gemeinde, künftig durch die Jagdgenossenschaft. Die Erstellung des Jagdkatasters kann entweder durch das Vermessungsamt oder den Bayerischen Bauernverband erfolgen, die Vorstandschaft wird die günstigste Variante ausloten.

 

Jäger gegen höhere Abschussquote

 

Die Jagdpächter berichteten über die im vergangenen Jahr erfolgten Abschusszahlen. Im Jagdbogen 1 wurden nach den Worten von Kurt Ziegler 29 Rehe, acht Füchse und fünf Hasen erlegt. Für den Jagdbogen 2 berichtete Gerhard Czeike, dass die Jäger 98 Rehe, 19 Füchse, sechs Hasen und einen Dachs geschossen haben.

Fast einstimmig, mit nur einer Enthaltung, wurde beschlossen, dass aufgrund des erhöhten Borkenkäfervorkommens und der Witterungseinflüsse, sowie durch den hohen Rehwildbestand eine Naturverjüngung der Waldflächen nur in sehr geringem Maße möglich ist. Die Jagdpächter der Bögen 1 und 2 werden daher verpflichtet, den Abschussplan für das Rehwild für die Jahre 2016 – 2018 auf 120 Prozent zu erhöhen.

Dieser Beschluss erregte die Gemüter der Jagdpächter, wobei Klaus Kölbl argumentierte, dass die Erhöhung des Abschussplans auf drei Jahre gesehen werden muss. Da aber die Jahre 2016 und 2017 bereits abgelaufen sind, kann dies im Jahr 2018 nicht mehr kompensiert werden. Er forderte deshalb die Jagdgenossenschaft auf, eine schriftliche Stellungnahme des Landratsamts vorzulegen. Auch Jägerkamerad Kurt Ziegler widersprach der geforderten Erhöhung der Abschusszahlen. Dem entgegnete Waldbesitzer Robert Liebl, dass sich im Jagdbogen 2 zu viel Rehwild tummelt. Er wurde in seiner Aussage gestärkt durch Alois Streifinger, der berichtete, ihm habe ein Jäger gesagt, dass noch viel zu wenig Rehwild geschossen werde. Gab es in Deutschland Mitte der 60er-Jahre etwa 350 000 Rehe, so ist der Rehwildbestand mittlerweile auf über eine Million angewachsen.

Abschließend appellierte der Jagdvorsteher an die Waldbesitzer, Verbissschäden bis spätestens 30. April bei der Gemeinde zu melden. Ebenso wichtig ist die Inanspruchnahme des Förderprogramms des Freistaates Bayern bei Schäden durch Borkenkäferbefall und dem Sturm Kolle. Für die Inanspruchnahme des Förderprogramms für den Wegebau gibt es laut Bürgermeister Rudolf Müller einen definierten Bereich, es ist daher ratsam, vor Instandsetzung mit dem zuständigen Förster das Gespräch zu suchen.