Passauer Oberland wird Öko-Modellregion

Ruderting, den 17.04.2019

Passauer Oberland wird Öko-Modellregion PNP-Bericht vom 17.04.2019

15 neue Regionen in Bayern werden ausgezeichnet – Passauer Oberland überzeugte mit zehn Projekten

 

Sabine Kain und Carolin Johannsen.Fürstenstein/München. Mit Kräutergärten in der Stadt, regionalen Online-Vermarktungsplattformen, ökologischen Wanderevents und sieben weiteren Projekten hat das Passauer Oberland überzeugt. Gestern bekam Stephan Gawlik, Bürgermeister der Gemeinde Fürstenstein und Vorsitzender der ILE Passauer Oberland, ein Zusammenschluss von 11 Gemeinden im nördlichen Landkreis, die Nachricht, dass die Region vom Landwirtschaftsministerium als staatlich anerkannte Öko-Modellregion ausgezeichnet wird.

„Wir freuen uns unwahrscheinlich und sind sehr stolz auf diese besondere Auszeichnung“, sagt Stephan Gawlik. Gleichzeitig sei es „ein außerordentlich guter und erfolgreicher Tag für unseren interkommunalen Zusammenschluss sowie für den gesamten Landkreis Passau und den Regierungsbezirk Niederbayern“, wenn so viele Gemeinden diese Auszeichnung erhalten.

Das Passauer Oberland ist in Niederbayern neben der ILE Ilzer Land erst die zweite Ökomodellregion. Obwohl die beiden ILEs nun Vorbilder für Niederbayern seien, werde „deutlich, wie viel noch vor uns liegt“, betonte Grünen-Landtagsabgeordneter Toni Schuberl. Insgesamt 15 neue Regionen in Bayern schafft Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber. Diese taten sich in einer Wettbewerbsrunde hervor. Eine Jury mit Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft, der Landesvereinigung für den Ökologischen Landbau und des Bund Naturschutz, haben die Bewerbungen geprüft und diese 15 Regionen als gut geeignet bewertet.

Mit dem Landesprogramm zur Stärkung des regionalen Öko-Landbaus möchte sie „ein Zeichen setzen“, denn „die Produktion heimischer Bio-Lebensmittel und das Bewusstsein für regionale Identität ist äußerst wichtig“, erklärte Kaniber. In den Öko-Modellregionen, die zur Optimierung des Volksbegehrens zur Artenvielfalt dienen, sei der Fokus darauf gerichtet, dass „die Menschen die Produkte der Landwirte in ihrer Heimat wieder schätzen lernen und sich bewusst werden, dass regionale Produktion die nachhaltigste ist“, sagte Kaniber. Im Passauer Oberland soll zu diesem Zweck eine stärkere Vernetzung untereinander entstehen. Man wolle „nachhaltige Netzwerke und Kooperationen in der Region aufbauen, die sich untereinander austauschen und Kooperationen eingehen“, heißt es in der Bewerbung der ILE Passauer Oberland.

„Viele Betriebe wissen nicht, was es untereinander an Potenzial gibt, deswegen müssen sie sich besser vernetzen“, erklärt Gawlik. Dieses Projekt ist eines von zehn im „Top-Ten-Programm“, die im Rahmen der Öko-Modellregion umgesetzt werden sollen. Unter anderem stehen auch eine Stärkung der „Produktschiene Weiderind“, eine gemeinsame Initiative zur Verarbeitung von Biomilch in der Region oder die Entstehung von Kräutergärten in der Gemeinde Fürstenstein auf der Agenda. Einiges davon soll noch heuer umgesetzt werden, die anderen Projekte sind für die nächsten zwei bis drei Jahre geplant.

Für den Förderzeitraum von zwei Jahren, der aber um weitere drei Jahre verlängert werden kann, werden die Öko-Modellregionen vom Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten unterstützt. Dafür wird eine Projektleiter-Stelle vor Ort zu 75 Prozent finanziert. Bislang gab es in ganz Bayern zwölf Öko-Modellregionen, die Bestandteil des Landesprogramms „BioRegio Bayern 2020“ sind. Eine davon ist die benachbarte ILE Ilzer Land. Eine Zusammenarbeit sei „erklärter Wille“, sagt Gawlik. Diese Kooperation werde „für uns beide eine Win-Win-Situation.“

Auch der stellvertretende Landrat Raimund Kneidinger freut sich: „Das ist ein großer Mehrwert für die Region und den gesamten Landkreis und würdigt die langjährige engagierte Arbeit der einzelnen Gemeinden im Verbund“, sagte er.

Was eine Öko-Modellregion bewegen kann, weiß Hutthurms 2. Bürgermeisterin Edeltraud Stegbauer-Wagner. Der Markt ist Mitglied der ILE Ilzer Land, die seit 2015 am Öko-Projekt teilnimmt. „Die Zahl der Biobetriebe in unserer ILE ist durch die Öko-Modellregion von zwölf auf 38 gestiegen“, nennt die stellvertretende Bürgermeisterin ein Beispiel. „Auch bei den Streuobstwiesen sind wir tätig geworden, haben die Vermarktung von Apfelsaft angekurbelt und die Verwendung dieses Lebensmittels in öffentlichen Einrichtungen, wie Schulen und Kindergärten, vorangetrieben.“ Auch die Vermarktung von Weidefleisch hat die Öko-Modellregion Ilzer Land angepackt und könne schon Erfolge verzeichnen: Zwei Metzgereien in der ILE, darunter eine in Hutthurm, verkaufen das Bio-Weidefleisch; außerdem fanden sich drei Weidefleisch-Wirte, die das zertifizierte Fleisch servieren.

„Wir streben weitere Steigerungen an“, sagt Edeltraud Stegbauer-Wagner. Vor allem in die Vermarktung der Bioprodukte wolle das Ilzer Land noch stärker einsteigen. Als Anschubhilfe gewährt der Freistaat für bestimmte Projekte Zuschüsse, etwa für die Pflege von Streuobstwiesen.

Künftig soll im Ilzer Land auch der Umweltgedanke im Rahmen der Öko-Modellregion stärker gefördert werden, wie Edeltraud Stegbauer-Wagner sagt. „Nicht nur der Bauer soll Blumenstreifen anlegen, sondern auch der Häuslebauer in seinem Garten dazu angeregt werden.“ Außerdem seien Projekte in Schulen und Kindergärten zu dem Thema geplant.

Stephan Gawlik hat schon den Blick in die Zukunft gewendet. Er will durch die Förderung der Öko-Modellregion „die Voraussetzungen schaffen, dass, wenn der Förderzeitraum ausläuft, „die Projekte weiterlaufen, damit das Ganze auch nachhaltig ist“.

 

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