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Bevölkerungswandel Fürstenstein stellt sich Herausforderung

Ruderting, den 27. 10. 2016

Bevölkerungswandel: Fürstenstein stellt sich Herausforderung

Nachbarschafts- und Seniorenhilfevereine stellen sich in Fürstenstein vor – Spontane Zustimmung – Weitere Infoveranstaltung geplant

 

Hans Schauer Fürstenstein. Dem demographischen Wandel in der Bevölkerung will laut Bürgermeister Stephan Gawlik auch die Gemeinde Fürstenstein Rechnung tragen: Von den 3400 Einwohnern sind 800 älter als 65 Jahre. Wenn diese Hilfe brauchen, um in ihrer vertrauten häuslichen Umgebung leben zu können, soll diese effizient sein. Deswegen will er die Vereine und Verbände, die sich in der Gemeinde um Seniorenarbeit kümmern, vernetzen. Um agieren statt nur zu reagieren, hatte die Gemeinde zu einem Informationsabend im Seniorenheim „Haus am Schlossberg“ eingeladen. Dabei haben Josef Wimmer den „Verein für Nachbarschafts- und Seniorenhilfe Ruderting“ vorgestellt und Gabriele Bergmann den Verein „Lichtblick Seniorenhilfe“.

 

Über zehnjährige Erfahrung

 

Wie der Geschäftsleiter der Gemeinde Ruderting erläuterte, geht die Nachbarschafts- und Seniorenhilfe auf den damaligen Bürgermeister Josef Schätzl zurück: Der Gemeinderat bildete unter anderem einen Arbeitskreis Zukunft, der ein Leitbild für die nächsten zehn Jahre erarbeitete. Dabei spielte die demographische Entwicklung eine herausragende Rolle spielte. 2005 fand dann eine Diskussionsrunde zum Thema „Betreutes Wohnen in Ruderting“ statt, wobei das Fehlen eines Seniorenheims bedauert wurde. Nachdem aber klar wurde, dass ein Seniorenheim in der Gemeinde nicht zu realisieren war, gründeten vor mittlerweile neun Jahren 26 Mitglieder den „Verein für Nachbarschafts- und Seniorenhilfe Ruderting“. Vereinsziel: eine Nachbarschaftshilfe organisieren, die auf den steigenden Hilfebedarf alter, kranker, behinderter oder in Not geratener Rudertinger die richtigen Antworten finden – ergänzend zu den in der Altenhilfe vorhandenen Dienstleistern. Konkret leistet man Hilfe im Haushalt wie kochen, putzen, Wäsche- und Blumenservice sowie Kinderbetreuung, Hilfe in Haus und Garten wie Rasen mähen, Hecken schneiden, Garten- und Grabpflege, Winterdienst und kleine handwerkliche Tätigkeiten, Hilfe bei Schreibarbeiten, darunter Erledigung des Posteingangs, Formulare ausfüllen oder Vorlesen von Zeitungen oder Büchern, Fahrdienste und Ferienbetreuung für Kinder. Dem Verein gehören mittlerweile 160 Mitglieder an, davon 20 aktive Helfer, deren Einsatz zwei Geschäftsführerinnen steuern. Geführt wird der Verein von der Vorstandschaft und dem Beirat.

Wie der Ablauf eines Hilfeeinsatzes beginnt? Mit der Kontaktaufnahme des Hilfesuchenden bei der Geschäftsführung. Es wird ein Gesprächstermin vereinbart, bei dem die Hilfebedürftigkeit nachweisen muss, wenn der Hilfesuchenden jünger als 75 Jahre ist. Dann wird ein Helfer, der Vereinsmitglied ist, zugeteilt. Laut Josef Wimmer, der die Kassengeschäfte des Vereins verwaltet, werden jährlich 1300 bis 1700 Helferstunden geleistet und für die Fahrdienste 3000 bis 4000 Kilometer zurückgelegt. Die Helfer werden aus dem Arbeitskreis Zukunft, dem Helferkreis der Caritas, dem Frauenbund und durch Mund zu Mund-Propaganda gewonnen, Engpässe gab es bisher nicht. Die Helfer sind versichert, zu Verschwiegenheit verpflichtet und lassen sich ihre „Regiezettel“ vom Hilfesuchenden unterschreiben. Der Helfer kassiert vom Hilfesuchenden je geleistete Arbeitsstunde 5 Euro, für jeden gefahrenen Kilometer 30 Cent, gegebenenfalls eine Auslagenpauschale. Wenn das Geld fehlt, um den Einsatz zahlen zu können, kann dieser vom Verein übernommen werden – höchstens jedoch die jährliche, steuerfreie Übungsleiterpauschale von 2 400 Euro. Seine Mittel generiert der Rudertinger Verein aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Geldstrafen, die von den Gerichten verhängt werden. Darüber hinaus kooperiert er eng mit „Lichtblick Seniorenhilfe e. V.“ aus München, der sich bereiterklärt hat, eventuell auftretende Defizite der Jahresbilanz auszugleichen. Laut Josef Wimmer genießt der Nachbarschaftshilfeverein nicht nur in der Gemeinde großes Ansehen, sondern auch innerhalb der Ile Passauer Oberland.

Ile-Projektmanagerin Gabriele Bergmann stellte den Verein mit Sitz in München vor. Sie ist für den Bereich östliches Niederbayern Ansprechpartnerin und Repräsentantin, weiß, dass der 2003 gegründete „Lichtblick Seniorenhilfe“ deutschlandweit der einzige Verein ist, der sich mit Altersarmut beschäftigt. Der Verein war bis 2013 nur in München tätig, seine Gründerin Lydia Staltner wurde aber durch das Jahrhunderthochwasser auf die Nöte in der Region Passau aufmerksam und wurde in Zusammenarbeit mit der PNP-Stiftung aktiv.

„Lichtblick“ unterstützt derzeit 5 000 Rentner, die Hauptlast hat sich mittlerweile auf Niederbayern verlagert. Finanzielle Soforthilfe gibt es für die Beschaffung von Lebensmitteln, Kleidung und vieles mehr. Dazu muss allerdings ein Antrag gestellt werden, den man im Rathaus der jeweiligen Wohngemeinde, oder bei Gabriele Bergmann, 08501/9150261 oder bergmann@systemk3.de erhält. Die Anträge werden innerhalb von ein bis zwei Wochen bearbeitet. Auch Kommunen erhalten auf Antrag einen Pauschalbetrag von maximal 2000 Euro, damit sie schnell und unbürokratisch Hilfe leisten können. „Die Bekämpfung der zunehmenden Altersarmut kann nur gemeinsam erfolgen“, so die Projektmanagerin, die es als eine der Hauptaufgaben sieht, Spenden für den Verein zu akquirieren.

 

Sozialfonds der Gemeinde

 

Bürgermeister Stephan Gawlik machte deutlich, wie wichtig es ist, das Wissen über vorhandene Möglichkeiten in die Breite zu tragen. „Die Gemeinde hat zur schnellen Linderung von Notsituationen einen Sozialfonds eingerichtet“, erinnert Stephan Gawlik. Auch wenn das Spendenaufkommen mittlerweile sehr gering sei, gab er sich zuversichtlich, wieder Spender zu mobilisieren. Einige Interessierte haben sich gleich bereiterklärt, bei einer Nachbarschaftshilfe nach Rudertinger Modell mitzuarbeiten. Dazu soll aber noch eine weitere Info-Veranstaltung stattfinden.

 

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