Bis zu 40 neue Bauparzellen für Ruderting

Ruderting, den 13.11.2017

Bis zu 40 neue Bauparzellen für Ruderting PNP-Bericht vom 11.11.2017

Gemeinderat beschließt Aufstellung eines Bebauungsplans für Baugebiet Reisach – Erschließung nicht vor 2019

 

Sabine Kain. Ruhig war es im Sitzungssaal, als Bürgermeister Rudolf Müller am Donnerstagabend Tagesordnungspunkt fünf aufrief: das Baugebiet in Reisach. Unter seinem Vorgänger Josef Schätzl sollte es schon erschlossen werden, war jedoch an Anwohner-Protesten gescheitert. Nun wagt Müller einen neuen Anlauf mit geänderter Planung – bisher aber nur in nicht-öffentlicher Sitzung.

Die Ergebnisse dieser Beratungen referierte der Bürgermeister am Donnerstag, bevor die Räte über die Aufstellung des Bebauungsplans und die Änderung des Flächennutzungsplans entschieden. Acht Zuhörer verfolgten seine Ausführungen mit Interesse.

Den Kauf von drei Grundstücken mit insgesamt 147 000 Quadratmetern Fläche hatte der Gemeinderat bereits genehmigt, ebenso einen Nachtragshaushalt und eine Kreditaufnahme in Höhe von 1,2 Millionen Euro für den Grunderwerb. Auf einem Teil dieses Grunds soll das neue Baugebiet Reisach entstehen. Es liegt zwischen den bestehenden Wohngebieten Reiserberg und Reiserbauernfeld und soll laut Müller über ein neu zu planendes Mischgebiet nordöstlich an das bestehende Gewerbegebiet angeschlossen werden.

Auf dieser Trasse soll laut Müller auch die Verkehrsanbindung entstehen. Eine mögliche Verkehrsführung durch die Lohwaldsiedlung und die Spitzenberger Straße hatte vor Jahren das Projekt scheitern lassen. Die Anwohner befürchteten eine Überlastung der bestehenden Siedlungsstraßen. Mit einer Erschließung über das Gewerbegebiet – zumindest für den Großteil der neuen Bauparzellen – will Müller diese Bedenken ausräumen. Die genaue Ausgestaltung muss mit einem Planer noch erarbeitet werden.

Das Mischgebiet hat eine Fläche von rund 10 000 Quadratmetern, ebenso der anschließende Gewerbegrund, das neue Wohnbaugebiet umfasst rund 40 000 Quadratmeter. Ein Großteil davon ist bereits im Flächennutzungsplan entsprechend eingetragen. Nun wurde ein weiterer Streifen für Wohnbebauung in den Plan aufgenommen. Wie viele Parzellen entstehen, konnte Müller noch nicht sagen, denn noch fehlt die konkrete Planung. Er schätzt, dass es 30 bis 40 werden.

„Was wir wollen, müssen wir jetzt mit einem Planer erarbeiten“, erklärte er im Gemeinderat. Dabei gelte es, mit dem Gremium unter anderem die genaue Erschließung zu klären, die Parzellengröße und die Art der Bebauung – also ob Einfamilienhäuser, Doppelhäuser oder sozialer Wohnungsbau. Für die Verlegung der Versorgungsleitungen liebäugelt die Gemeinde mit einem speziellen System. Müller, Vertreter der Verwaltung und Gemeinderat Josef Schätzl (CSU) haben sich das „Monosystem“ bei einer Exkursion angesehen: Dabei werden die Versorgungsleitungen mit Leerrohren unter dem Gehweg verlegt. Das schont den Straßenbelag, der nicht für jedes Gewerk und jede Nachrüstung aufgerissen werden muss. Leicht zugängliche Schächte im Gehweg erleichtern die Arbeit an den dort zusammenlaufenden Leitungen. Laut den Informationen, die Müller vorliegen, soll das Monosystem nicht teurer sein als die herkömmliche Erschließung. Ob dies auch für Reisach zutrifft, gelte es jedoch erst zu prüfen, wie Ludwig Kolbeck (BfR) bat. Müller bot an, einen Fachmann in den Gemeinderat einzuladen.

Die Planungen für das Baugebiet werden ohnehin länger dauern, warnte Müller. Vor dem Jahr 2019 rechnet er nicht mit einer Erschließung in Reisach, will sich aber beeilen: „Wir sollten das zügig begleiten, damit in Ruderting wieder Wohnfläche zur Verfügung steht“, sagte er. Bauparzellen gibt es noch etliche in der Gemeinde, sie befinden sich aber alle in privater Hand. Bauwerbern, die im Rathaus vorstellig werden kann Müller derzeit nichts anbieten.

Im Windschatten des Baugebiets könnten sich Chancen fürs Gewerbe auftun: im geplanten Mischgebiet. Ob dies auch bebaut werden soll, erkundigte sich Ludwig Kolbeck am Donnerstag. Müller ließ es offen: „Das Mischgebiet ist als Pufferzone zum Gewerbegebiet geplant.“ Man könnte bestimmte Arten von Betrieben ansiedeln, müsse dies aber nicht.

Der Gemeinderat stimmte der Aufstellung eines Bebauungsplans für Reisach und einer entsprechenden Änderung des Flächennutzungsplans im Parallelverfahren einstimmig zu.