Die Straße, deren Name nicht genannt werden darf

Ruderting, den 06.12.2017

Die Straße, deren Name nicht genannt werden darf PNP-Bericht vom 06.12.2017

Staatliches Bauamt Passau informiert mit den Landtagsabgeordneten Gerhard Waschler und Max Gibis über Bauprojekte 2018

 

Sandra Niedermaier Jacking. „Die Nord-...“ – Robert Wufka stockte kurz der Atem. Der Leitende Baudirektor des Staatlichen Bauamts Passau wollte weder Nordumfahrung noch Nordtangente aussprechen, als er zusammen mit Baurätin Andrea Czech ein Verkehrsgespräch mit den Landtagsabgeordneten Gerhard Waschler und Max Gibis sowie einigen Bürgermeistern aus Passauer und Freyunger Kommunen führte. Konsequent verwendete er in Folge die Bezeichnung „die Straße im Norden von Passau“. Neben der Nordtangente ging es beim Gespräch um sämtliche Bauprojekte für 2018 und Wünsche der Bürgermeister.

 

Nächstes Jahr 120 Millionen Euro Budget

 

Zunächste schickte Wufka Allgemeines vorweg: Das Budget, das dem Staatlichen Bauamt Passau für seine Bauprojekte 2018 zur Verfügung steht, liegt bei rund 120 Millionen Euro. Zunehmend schwieriger werde es, neues Personal, insbesondere Ingenieure, zu finden, mit denen die Stellen nach Pensionierungen oder Kündigungen nachbesetzt werden. Wufka sagte: „Viele Mitarbeiter halten den Stress bei uns nicht aus.“ Darüber hinaus werde das Bauamt ausgebremst durch Bürger, die mithilfe ihrer Anwälte Einspruch gegen Planfeststellungsverfahren einlegen.

Dann ging es um die Nordumfahrung: Dem Dialogforum, das 2018 ins Leben gerufen werden soll, maß Wufka große Bedeutung bei – ebenso wie sämtliche Bürgermeister. Wegscheids Bürgermeister Josef Lamperstorfer, ein Befürworter der Nordumfahrung, kommentierte: „Das wird ein hartes Stück Arbeit.“ Er führte nochmals die hohe Feinstaubbelastung in Passau an. „Bevor die Messstelle in die Stelzhamerstraße verlegt wurde, hatten wir vier Mal so hohe Werte. Höher als am mittleren Ring in München.“ Tiefenbachs Bürgermeister Georg Silbereisen entgegnete da: „Wir wollen die Nordumfahrung nicht. Dann bekommen wir den ganzen Verkehr 500 Meter an uns vorbei.“ MdL Waschler entgegnete: „So kommen wir hier nicht weiter. Das Geld vom Bund wäre da – jetzt müssen wir über die Varianten reden.“ Da zeigte sich Silbereisen versöhnlich: „Über Varianten sind wird gesprächsbereit.“

Für 2018 sind folgende Bauprojekte in Stadt und Landkreis geplant:
„Massive Felssanierungen stehen an“, verkündete Wufka – in Passau und in Obernzell. Bereits diesen Sommer seien als Sofortmaßnahme am Anger Betonwände aufgestellt und Felsarbeiten durchgeführt worden, auf etwa einem Kilometer Länge. Wufka offenbarte: „Wir überlegten im Bauamt sogar eine Vollsperrung, weil Gefahr von den Felsen ausging. Wir haben die Verantwortung, wenn etwas passiert.“ 2019 sollen diese Felssicherungsarbeiten auf 650 Metern Streckenlänge an der B 12 und B 388 weitergeführt werden.

Die B 12 bei Salzweg wird dreistreifig ausgebaut. Wegen Auflagen seitens des Naturschutzes können die Arbeiten erst Mitte Juni starten. Für 2018 seien Rodungs- und Erdarbeiten vorgesehen; 2019 beginnt der eigentliche Straßenbau. Bei Straßkirchen wird die B 12 um einen Beschleunigungsstreifen auf Höhe Ebenäcker in Richtung Passau erweitert. Salzwegs Bürgermeister Josef Putz warf ein: „Richtung Freyung wäre auch notwendig.“ Wufka: „Wir können nicht alles bauen.“

Im nördlichen Landkreis wird bei Masering, Gemeinde Tittling, eine Brücke an der B 85 erneuert. Ruderting bekommt bei Lohwald seine Einfädelspur in die B 85 Richtung Passau. Auf einer Länge von 3,7 Kilometern wird die Fahrbahn der B 85 zwischen Ruderting und Haselbach erneuert.

Auf 300 Metern Länge soll östlich von Sonnen ein Radweg gebaut werden. Die Fahrbahndecke der St 2128 zwischen Wolkar und Oberkümmering wird auf 1,7 Kilometern Länge instandgesetzt. Eine Brücke über einen Bach wird auf der St 2319 bei Hörret erneuert. Gleich drei Brücken werden bei Kernmühle in der Gemeinde Thyrnau auf der B 388 erneuert.

Im Passauer Ortsteil Zieglstadl wird die St 2125 auf 2,2 Kilometern Länge erneuert; in Feldsberg wird die Fahrbahndecke der B 12 instandgesetzt. Bei Patriching wird an der B 85 eine Ampel installiert – als Übergangslösung, nachdem die Grunderwerbsverhandlungen für einen höhenfreien Ausbau der unfallträchtigen Kreuzung gescheitert sind. „Wir ziehen die Reißleine“, so Wufka. Die Ampel bleibt als Provisorium, bis eine Rampe gebaut wird.

 

DAS INTERESSIERTE DIE BÜRGERMEISTER

 

Nach dem Vortrag schnellten die Finger einiger Bürgermeister in die Höhe. Josef Lamperstorfer aus Wegscheid fragte, ob im Zuge der Dorferneuerung Lacken die Staatsstraße asphaltiert werden könnte. Hutthurms Bürgermeister Hermann Baumann mahnte den Unfallschwerpunkt auf der B 12 bei Bärnbach an; erst kürzlich war wieder ein Mann bei einem Zusammenstoß gestorben. „Es rumort in der Bevölkerung“, sagte er.

Bürgermeister Josef Putz schlug einen Rad- und Gehweg an der B 12 von Salzweg nach Passau vor. Wufka: „Das wird nicht durchsetzbar sein.“

Rudertings Bürgermeister Rudolf Müller brachte seine Bedenken vor, dass beim Bau der Einfädelspur bei Lohwald und weiteren B 85-Baustellen der Verkehr mitten durch Ruderting geleitet werde. „Wir haben dort Geschäfte und viele Fußgänger“, mahnte er. Andrea Czech erwiderte: „Wir kommen auf Sie zu.“ Wufka schränkte ein: „Wir stehen unter vielen Zwängen, wir müssen uns an Buspläne etc. halten.“

Bürgermeister Josef Würzinger forderte vehement, das Ortsschild von Obernzell weiter nach draußen zu versetzen. Zwei Unternehmen wollen Fahrzeughallen bauen; zudem sei das Freibad außerhalb des Ortes. Wufka war strikt dagegen: „Das widerspricht den Sicherheitsvorgaben.“ Waschler vermittelte, indem er einen Ortstermin für Anfang 2018 vorschlug.

Bezirksrat Josef Heisl jun. fragte nach einem dreistreifigen Ausbau des Autobahnzubringers bei Hutthurm. Schon vor drei Jahren hatte er selbige Anfrage gestellt; allerdings war die Straße zur Staatsstraße aufgestuft worden, womit eine dreijährige Ausbausperre verbunden war. Wufka nahm ihm erneut die Hoffnung: „Eine dritte Spur ist nicht in Planung.“san