Wie aus Klärschlamm Gutes entstehen kann

Ruderting, den 11.03.2019

Wie aus Klärschlamm Gutes entstehen kann PNP-Bericht vom 11.03.2019

„Biogene Reststoffe“ Thema eines wissenschaftlichen Symposiums

 

Ruhstorf. Massenhafter Klärschlamm ist ein Umweltproblem und doch kann er, entsprechend behandelt, zu einem wertvollen biogenen Reststoff werden. Die Wissenschaft befasst sich längst damit, weiß wie man diesen Dreck möglichst effizient und umweltverträglich nutzen kann.

„Biogene Reststoffe und Energiespeicherung im kommunalen Umfeld“ war das Symposium übertitelt, das mit Unterstützung der Universität Pilsen, der Hochschule für Technik und Wirtschaft Budweis sowie der Industrie- und Handelskammer Niederbayern an der Uni Passau als Partner des Technologiezentrums Energie (TZE) der Hochschule Landshut (HSL) in Ruhstorf stattfand.

Auf europäischer und nationaler Ebene werden die Anforderungen bezüglich der Klärschlamm-Ausbringung auf landwirtschaftliche Flächen und Rekultivierungsflächen verschärft. Hieraus entstehen erhöhte Klärschlamm-Entsorgungsaufwendungen für Städte und Gemeinden, die als Betreiber von Kläranlagen diese Kosten an den Bürger über Abwassergebühren weitergeben müssen. Insbesondere in strukturschwachen Regionen steigt dadurch die finanzielle Belastung für die Bürger.

Im Rahmen des interregionalen TZE-Projekts greenIKK betreiben der Landkreis Tirschenreuth und die benachbarte Region Cheb in Tschechien ein gemeinsames Projekt mit dem Technologiezentrum der Hochschule Landshut. Das Forschungsprojekt soll den Gemeinden dabei helfen, eine nachhaltige Klärschlammverwertung zu etablieren. Die Projektfinanzierung erfolgt durch den europäischen Fonds für regionale Entwicklung. Damit sollen eine stoffliche Nutzung durch Rückgewinnung von Nährstoffen und deren Rückführung in die Ökosysteme, die energetische Verwertung von Klärschlamm inklusive einem Konzept von Ökosystem-Dienstleistungen vorangetrieben werden. Weniger Treibhausgas-Emissionen, weniger Eintrag von umweltbedenklichen Stoffen und zugleich die vorhandenen Ressourcen effektiv zu nutzen ist das Ziel.

Prof. Dr. Diana Hehenberger-Risse (TZE) stellte im Rahmen des bayerisch-tschechischen Fachtreffens zum Thema „Biogene Reststoffe und Energiespeicherung“ das Projekt zur nachhaltigen Klärschlammverwertung im kommunalen Umfeld vor. Prof. Dr. Josef Marousek (Budweis) erläuterte konkrete Möglichkeiten der Produktion von Biokohle aus biogenen Reststoffen. „Günstige und bedienungsfreundliche Speichertechnologien für dezentrale Kraftwerke“ beleuchtete Dr. Ingenieur Jaromir Pocedic (Prag/Pilsen) am Beispiel der auch in Ruhstorf erforschten „Redox-Flow-Technologie“. Die „Verfügbarkeit der Technologie“ vorausgesetzt, betrachtete Professor Dr. Raimund Brotsack (Technische Hochschule Deggendorf) die mikrobiologische Methanisierung – Stichwort „Power-to-Gas“ (PtG). Darunter versteht man die Verknüpfung von Strom- und Gasnetz. Dadurch wird es möglich, überschüssige Stromspitzen von fluktuierenden erneuerbaren Energien in chemische Verbindungen (Methan) umzuwandeln und zu speichern. Methan ist hauptsächlicher Bestandteil von Erdgas und durch die gute Infrastruktur in Deutschland weiträumig verfügbar. Aufgrund der hohen Speicherkapazität können damit längere „Dunkelflauten“, in denen kaum Wind- oder Sonnenenergie gewonnen wird, überbrückt werden. Am TZE wird unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Brotsack am PtG-Prozess geforscht. Hierbei stellen sich Fragen im Bereich der Verfahrenstechnik hinsichtlich alternativer Begasungstechnologien, der Biologie, der Simulation und Modellierung der Prozesse, der Prozessoptimierung und das Eruieren neuer Wasserstoffquellen. Hierfür wurden eigens ein Labor und ein Technikum mit einer Methanisierungsanlage aufgebaut.

Prof. Brotsack wies in seinem Vortrag ausdrücklich darauf hin, dass in „allen Strom-, Wärme- sowie Mobilitäts-Bereichen eine Energiewende stattfinden wird und dabei Kohlenstoffdioxid eingespart werden muss“. Hierfür eigne sich vor allem die „Power-to-Gas-Methode“, um eine Sektorenkopplung zwischen den genannten Bereichen schaffen und diese mit synthetischem grünem Erdgas aus erneuerbaren Energien versorgen zu können.

„Das Ruhstorfer Symposium verdeutlicht die beiderseits der Grenze unternommenen enormen Anstrengungen, um dem komplexen EU-Rechtsrahmen auch in Zukunft zu genügen“, sagte TZE-Geschäftsführer Dr. Reinhart Schwaiberger. So finde derzeit speziell in Tschechien eine spannende Entwicklung bei der Aufbereitung biogener Reststoffe statt, die durchaus auch für bayerische Kommunen „hochinteressant“ werden könnte. Nachhaltig vor allem „im Umfeld kleinerer Kläranlagen an Bedeutung gewinnen“ könnten beispielsweise Prozess-Schritte wie die Reststoff-Umwandlung in Biokohle.

 

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