Ein Bauantrag geht baden

Ruderting, den 12.07.2019

Ein Bauantrag geht baden     PNP-Bericht vom 12.07.2019

Ausschuss berät über vier neue Pools – Einer schon fertig, zwei im Bau – Ein Antragsteller muss antanzen

 

Sabine Kain. Wer sich Ruderting aus der Vogelperspektive ansieht, findet im Grün der Gärten sehr viel Blau. Auffallend viele Hausherren haben sich einen privaten Swimmingpool gebaut – und auch in diesem Sommer sind schon wieder Bagger angerückt. Das blieb der Gemeindeverwaltung nicht verborgen: Sie hat nun gleich mehrere baggernde Badefreunde darauf hingewiesen, dass für ihre Poolbauten erst der Segen der Gemeinde einzuholen ist. Gleich vier Anträge standen am Mittwochnachmittag auf der Tagesordnung des Bauausschusses. Und einem Badevergnügen hat das Gremium zumindest fürs Erste den Stöpsel gezogen.

„Ich weiß nicht, warum ich hier noch sitze“, sagte Alois Bredl (FW) trocken zum Schwimmbad-Antrag aus Reisach. Dort ist der Pool schon planschbereit „und der Zaun steht auch schon“ – 1,40 Meter hoch und wie das Becken ohne Zustimmung der Gemeinde errichtet. „Eine Frechheit“, fand Alois Bredl und Gertrud Brunnbauer (BfR) pflichtete ihm bei, zumal das Schule mache.

Auch der Bürgermeister war nicht begeistert, sah die Verantwortung für die illegalen Poolbauten aber in erster Linie bei den Spezialfirmen. „Das sind Profis, sollte man annehmen“, sagte Rudolf Müller. Trotzdem würden die Kunden oft nicht richtig über die rechtlichen Voraussetzungen aufgeklärt, es werde einfach gebaut. „Wenn wir das mitbekommen, schreiten wir ein“, stellte der Bürgermeister klar. In Reisach war das Schwimmbad schon fertig, zwei weitere Bauherren hatten schon die Grube ausgehoben, als die Gemeinde durchgriff.

Dabei zeigte sich der Ausschuss aufgeschlossen: „Wer einen Pool möchte, soll ihn haben“, fand etwa Gertrud Brunnbauer, aber es müsse sich schon alles im rechtlichen Rahmen bewegen. Sie regte an, für das neue Baugebiet in Reisach Vorgaben zu machen, zum Beispiel, dass jeder, der einen Pool baut, auch gleich eine Zisterne zur Regenwassernutzung anlegt. „Es ist alles knochentrocken und das Wasser rinnt in die Pools“, gab sie zu bedenken.

Im Hitze-Sommer 2018 war der Wasserverbrauch in Ruderting spürbar gestiegen, jede Poolbefüllung fiel im Wassernetz sofort auf. Die Gemeinde, die sich weitgehend aus einem eigenen Brunnen versorgt, musste die Bestellmenge bei Waldwasser von 16 000 auf 22 000 Kubikmeter zugekauftes Wasser erhöhen. Und auch wenn die meisten Pools nur bei der Inbetriebnahme vollständig gefüllt werden: „Das ist lauter Verdunstungsfläche“, erklärte Müller, „und was verdunstet, muss nachgefüllt werden.“ Er rät grundsätzlich zu Zisternen, um den Trinkwasserverbrauch zu reduzieren. Im neuen Baugebiet fürchtet er noch ganz anderen Ärger, wenn Bauherren eigene Schwimmbecken bauen lassen: Die hügelige Topographie würde auf den allermeisten Parzellen wohl Aufschüttungen und Stützmauern verlangen. Wenn das ohne Erlaubnis passiert und die Gemeinde die Genehmigung nicht nachträglich erteilt, „sind schnell 15 000 Euro in den Sand gesetzt“.

Und es ist nicht selbstverständlich, dass die Gemeinderäte die vollendeten Tatsachen im Garten nachträglich mit ihrer Zustimmung heilen – auch das wurde am Mittwoch deutlich. Der Bauherr aus Reisach bekam vorerst kein Einverständnis erteilt. Er muss persönlich im Gremium vorsprechen und sich erklären.

Mehr Glück hatten die anderen Antragsteller: Der Pool in der Bayerwaldstraße und das Schwimmbecken samt Technikraum in der Schmiedgasse – in beiden Fällen ist das Loch schon gebuddelt – wurden einstimmig bewilligt. Ja sagten die Gemeinderäte auch zu einem geplanten Schwimmbecken in der Schulstraße.

„Die Leute müssen erkennen, dass ein Poolbau nicht einfach möglich ist“, hielt der Bürgermeister fest. Zwar gebe es die Regelung, dass Pools bis zu 100 Kubikmeter Fassungsvermögen verfahrensfrei sind, trotzdem könne aus verschiedenen Gründen die Einwilligung der Gemeinde erforderlich sein: sei es, dass der Bau im Außenbereich erfolgt, dass eine Baugrenze überschritten wird oder öffentliche Leitungen durchs Grundstück verlaufen, auf die der Bauherr Rücksicht nehmen muss. Der Bürgermeister empfahl künftigen Bauherren, erst im Rathaus nachzufragen, bevor der Bagger bestellt wird.

 

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