Grüne Energie

Ruderting, den 15.07.2019
Überraschungstour ins Fürstensteiner Land
Ruderting/Neukirchen vorm Wald. 25 Mitglieder und Freunde des Bayerischen Wald-Vereins, Sektion Ruderting-Neukirchen vorm Wald, haben sich zu einer Überraschungswanderung im nördlichen Landkreis getroffen. Erst am Treffpunkt wurde die Strecke der etwa dreieinhalbstündigen Tour bekannt gegeben: Es ging ins „Fürstensteiner Land“. Bei Nammering startete die Wanderung, die zunächst durch den Wald in Richtung Eging führte. Anschließend wanderte die Gruppe ins Tal der Kleinen Ohe und folgte dieser in Richtung Fürstenstein. Hier erreichten die Wanderer den höchsten Punkt der Tour, den „Hohen Stein“, der mit seinen wollsackverwitterten Granitblöcken einen wunderschönen Anblick bot. Von hier war es nur noch ein kurzes Stück zur Mittagseinkehr im Gasthof Kerber. Im weiteren Verlauf wanderte man nun auf einem Teilstück der Via Nova zum alten Steinbruchsee und weiter zum Steinbruch „Paradies“. Von hier hatte man schon das Ziel im Auge: den Kirchplatz von Nammering. Wanderführer Klaus Göbel (rechts) dankte allen fürs Mitwandern.
 − red/Foto: Göbel

Grüne Energie     PNP-Bericht vom 13.07.2019

Ökostrom-Anteil im Landkreis lag zuletzt bei 62 Prozent – Rudertinger betreibt Vorzeigeprojekt

 

Von Lukas Wagner Ruderting/Passau. „Begonnen hat alles mit einer Spinnerei“, sagt Erich Käser. Ein schmaler Weg führt zu seinem Hof, der idyllisch zwischen Wald und Wiesen in Sittenberg in der Gemeinde Ruderting liegt. Neben dem Gebäude türmen sich Holzstücke, in der Scheune liegt auf einem kleinen Anhänger frisch gemähtes Gras. Dem ersten Anschein nach ein ganz normaler landwirtschaftlicher Hof – stünde in der Einfahrt nicht ein blauer, durch die Frontlichter futuristisch wirkender e-Golf, aus dessen „Tank“ ein gelbes Kabel führt. Seit über zehn Jahren betreibt Käser sein Projekt „kleinbäuerliche nachhaltige Landwirtschaft“, das mittlerweile zwei PV-Anlagen, eine Solarthermieanlage und ein Elektroauto umfasst und dieses Jahr den Bürgerenergiepreis der Bayernwerk AG gewonnen hat.
 

Landkreis Passau beim Ökostrom Vorreiter

 

Auch wenn das Anwesen von Käser noch eine Ausnahme bildet, boomen hierzulande die erneuerbaren Energieträger. Satte 44 Prozent betrug der Ökostrom-Anteil in der ersten Jahreshälfte 2019 in Deutschland. Im Landkreis Passau kann über solche Zahlen allerdings nur müde gelächelt werden. Seit dem Jahr 2011 liegt der Ökostrom-Anteil hier konstant über 50 Prozent. 2017 bestand die Energiegewinnung zu 62 Prozent aus erneuerbarer Energie, was nach dem Rekordjahr 2015 (64 Prozent) den höchsten Wert bedeutet.
„Hauptträger ist eindeutig die Energiegewinnung aus Photovoltaik“, sagt Peter Ranzinger, Klimaschutzbeauftragter des Landkreises. Laut den aktuellsten Zahlen des Passauer Landratsamts machten im Jahr 2017 Photovoltaik-Anlagen 43 Prozent der gesamten Ökostrom-Einspeisung aus. Erstaunlich sei, dass trotz einer mäßigen Zunahme bei der Zahl neuer PV-Anlagen, die Einspeisungen 2017 im Vergleich zum Vorjahr gestiegen seien, so Ranzinger.
Auf dem Hof von Erich Käser findet man die Photovoltaik-Zellen zwar auch, aber nicht nur auf dem Dach. Geht man zur Rückseite des Gebäudes, springen einem sofort die schwarzen, quadratischen Solarplatten ins Auge, die die Südwand in pyramidenförmiger Anordnung säumen. Kombiniert gewinnt und speichert Käser knapp 7 Kilowattstunden Strom am Tag durch die Anlagen. „In den Sommermonaten bin ich bereits bei 100 Prozent Autarkie“, sagt Käser.
An zweiter Stelle hinter der Sonnenenergie folgt die Stromgewinnung aus Biomasse, die im Landkreis bei rund 14 Prozent des Ökostrom-Anteils liegt. Wasser- und Windkraft leisten hingegen nur einen geringen bis marginalen Beitrag zur Energiegewinnung mit einem Anteil von 2,5 respektive 0,07 Prozent bei den „Erneuerbaren“. „Das liegt im Bereich der Wasserkraft vor allem an den sehr langen Trockenphasen in den letzten Jahren“, sagt Ranzinger. So haben die Einspeisungen seit 2013 sukzessive abgenommen, nachdem 2011 der Wasserkraft-Anteil noch bei 5,7 Prozent lag.
Bei der Windenergie bewegt sich sowohl im Landkreis als auch in ganz Bayern in den vergangenen Jahren sehr wenig. „Wir haben eigentlich fast keine Windräder im Landkreis“, sagt Ranzinger. Schuld daran sei die unter dem Kabinett Seehofer eingeführte 10-H-Regelung, die vorschreibe, dass Windkraftanlagen das Zehnfache ihrer eigenen Höhe als Abstand zu Häusern haben müssen. „In diesem Jahr wurde noch kein einziges Windrad gebaut. Obwohl wir im Klimaschutzkonzept des Landkreis eigentlich einen Ausbau der Windenergie verankert haben. Das wäre auch wichtig, um unsere Klimaschutzziele zu erreichen“, sagt Ranzinger.

 

Dunkle Wolken ziehen über den PV-Anlagen auf
 

Über den Photovoltaik-Anlagen ziehen dunkle Wolken auf. Im aktuellen Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG) habe die Bundesregierung eine Deckelung der Förderung von Photovoltaik-Anlagen verankert, so Ranzinger. „2020 wird es spannend, ob die Bundesregierung die Deckelung öffnet oder schließt. Wenn sie geschlossen wird, ist Ende Gelände‘.“ Dann würde eben China die Vorreiterrolle übernehmen und „nicht mehr wir“, sagt Ranzinger.
Bei Erich Käser findet das EEG ebenfalls alles andere als Anklang. „Ich bin ein Gegner davon. Wir brauchen noch viel mehr PV-Anlagen und müssten für eine Entbürokratisierung sorgen.“ Trotz den erwarteten Schwierigkeiten empfiehlt Käser jedem Haushalt, sich eine kleine PV-Anlage mit 2,5 bis 5 Kilowattstunden anzuschaffen. „Damit erreicht man bereits 30 bis 40 Prozent Autarkie.“ Die Kosten seien dabei vergleichsweise überschaubar.
Wünschen würde er sich auch, mehr Elektroautos auf den Straßen anzutreffen. „Aber alle erklären mich für verrückt, wenn ich mit dem Thema anfange.“ Dabei hat er bereits bewiesen, dass aus einer anfänglichen „Spinnerei“ Beachtliches entstehen kann.

i der Windenergie bewegt sich sowohl im Landkreis als auch in ganz Bayern in den vergangenen Jahren sehr wenig. „Wir haben eigentlich fast keine Windräder im Landkreis“, sagt Ranzinger. Schuld daran sei die unter dem Kabinett Seehofer eingeführte 10-H-Regelung, die vorschreibe, dass Windkraftanlagen das Zehnfache ihrer eigenen Höhe als Abstand zu Häusern haben müssen. „In diesem Jahr wurde noch kein einziges Windrad gebaut. Obwohl wir im Klimaschutzkonzept des Landkreis eigentlich einen Ausbau der Windenergie verankert haben. Das wäre auch wichtig, um unsere Klimaschutzziele zu erreichen“, sagt Ranzinger.


Dunkle Wolken ziehen 30 bis 40 Prozent Autarkie.“ Die Kosten seien dabei vergleichsweise überschaubar.
Wünschen würde er sich auch, mehr Elektroautos auf den Straßen anzutreffen. „Aber alle erklären mich für verrückt, wenn ich mit dem Thema anfange.“ Dabei hat er bereits bewiesen, dass aus einer anfänglichen „Spinnerei“ Beachtliches entstehen kann.

 

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Grüne Energie