Viele Ideen fürs neue Baugebiet geschmiedet

Ruderting, den 05.02.2018

Viele Ideen fürs neue Baugebiet geschmiedet PNP-Bericht vom 03.02.2018

Rudertinger Arbeitskreis Zukunft entwickelt vielfältige Vorschläge – Bürgermeister Müller: „Wir wollen etwas Innovatives machen“

 

Theresia Wildfeuer. Seiner ursprünglichen Rolle als „Ideenschmiede“ ist der Arbeitskreis „Zukunft“ bei seiner jüngsten Sitzung gerecht geworden. Rund 20 Teilnehmer sammelten vielfältige Ideen für das geplante neue Baugebiet in Reisach. Es kamen innovative Vorschläge auf den Tisch, zum Beispiel für Wohnmodelle mit einer Dorfmitte und Mehrgenerationen oder ein „kaltes“ Nahwärmenetz, aber auch Forderungen nach bezahlbarem Wohnen.

„Wir wollen kein 0815-Baugebiet“, sagte Bürgermeister Rudolf Müller. Er und der Gemeinderat wünschten Ideen aus der breiten Masse für das 40 000 Quadratmeter große Areal. Man befinde sich noch in der Anfangsphase. Es seien weder genaue Grenzen noch Parzellen festgelegt worden. Die Gemeinde wolle sich Zeit für die Planung nehmen. „Das Gelände hängt in drei Richtungen“, erläuterte Müller. Es handle sich um keine ebene Fläche. Somit wolle man dort „mal etwas anderes machen“. Es sei noch nicht zu spät für Vorschläge.

„Wir finden eine Vernetzung mit dem Wegesystem wichtig“, sagte Senioren- und Behindertenbeauftragter Josef Wimmer. Die Bewohner sollten gefahrlos in die Ortsmitte kommen. Es gehe um Barrierefreiheit für Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwagen. Johannes Schmidt vom Bürgerenergiestammtisch Sittenberg schlug vor ein Ökodorf mit alternativer Energieversorgung, Car-Sharing, Gemeinschaftsgarten oder einer Spielfläche zu schaffen. Gemeinschaftliche Energieversorgung gebe es zum Beispiel in Witzmannsberg.

Vizebürgermeister Johann Streifinger riet offen zu sein für einen Bauträger, der ein Wohngebiet für mehrere Generationen verwirklichen will und den Pkw-, Fußgänger- und Fahrradverkehr zu trennen. Die Gemeinde stehe im Wort und wolle das Bauland in Richtung des Anwesens Auberger erschließen.

 

Wohnmodelle mit Dorfmitte und Mehrgenerationen

 

Auch er schlug vor, einen Platz mit Hofcharakter für Straßenfeste zu gestalten sowie genug Stellflächen vorzusehen, um die Straße frei zu halten sowie den Bauleuten Tipps bezüglich Ökologie und Seniorenfreundlichkeit zu geben.

Gemeinderat Ludwig Kolbeck griff den Vortrag „Neues Wohnen auf dem Land“ auf, zu dem die BfR eingeladen hatten, der empfahl, Baugebiete nach Lebensphasen zu gestalten, zum Beispiel mit einem Bereich für Familien mit Spielangeboten sowie einem Abschnitt für ältere Menschen, die keinen Lärm wollen. Der Gemeinderat habe sich bereits für bezahlbares Wohnen und Wohnungen für junge Paare ausgesprochen.

Seniorenvertreter Rudi Zimmermann fand es „nicht günstig“, in Reisach Mehrgenerationenhäuser zu bauen. Das Wohngebiet sei zu weit vom Zentrum entfernt. Es gebe dort keine Nahversorgung. Die Bewohner seien auf das Auto angewiesen. Dies sei im Alter nicht mehr allen möglich. Er plädierte dafür, den Charakter der Gastorfer Straße als Freizeitraum zu erhalten. Hier lernten Kinder Radfahren und ältere Menschen seien mit Rollatoren unterwegs. Mietgesuche im Gemeindenachrichtenblatt zeigten, dass Ruderting Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen brauche. Er wünschte Mietwohnungen, die man sich leisten kann und schlug vor, eine gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft zu gründen. Hildegard Holzinger riet, den Verkehr aus dem Neubaugebiet nicht über Gastorfer Straße und Eichenweg zu leiten. Albert Bonell begrüßte die Genossenschaftsidee, um günstige Mietshäuser zu bauen. Im Sinne der Nachbarschaftshilfe sei auch das Projekt „Wohnen für Hilfe“, das er selbst als Student praktizierte. Es gebe Menschen, die anderen helfen, etwa beim Einkaufen und dafür preiswerte Miete erhalten. Dies fördere Gemeinschaft. Er warb für eine gute Anbindung an den ÖPNV und die Ortsmitte, die zu Fuß, per Rad oder Auto erreichbar sein solle.

Markus Killinger regte an, das neue Wohngebiet energetisch mit einem kalten Nahwärmenetz zu versorgen. Dies sei innovativ und im Vergleich zu einem Nahwärmenetz mit Biomasseanlage effizienter, weil weniger Wärmeverluste auftreten. Das Förderprogramm „Wärmenetz 4.0“ sehe hierfür Zuschüsse vor. Es gehe um ein Niedrigtemperatur-Nahwärmenetz, das aus Umweltwärme gespeist wird, etwa mit Solarthermie und Wärmepumpe. Das „kalte“ Nahwärmenetz laufe in den Sommermonaten mit einer Netztemperatur von rund 20 Grad, nicht wie herkömmliche Netze mit 60 Grad. Man könne ein übergreifendes Netz mit Strom- und Kommunikationsleitung verlegen. Das Wasser könne aus Brunnen kommen. Bonell empfahl auch eine Vernetzung der Energieversorgung mit Hilfe von PV-Anlagen, Speichern und Sonden.

Roland Heininger schlug eine Umfrage unter künftigen Siedlern bezüglich eines zentralen Nahwärmenetzes vor. Die Gemeinde solle mit dem Bauland auch eine Erddeponie ausweisen, weil es immer schwieriger werde, Erdreich zu entsorgen. Dieses müsse man derzeit bis Fürstenzell transportieren.

„Wenn schon ein großes Baugebiet geplant ist, soll es etwas Innovatives sein“, bilanzierte Bürgermeister Müller. Er freute sich über die vielen Ideen, etwa bezüglich eines „kalten“ Wärmenetzes. Man könne Synergien nutzen, eine günstige Energieversorgung anbieten, wenn gewünscht. Kleine Häuser und mehr Wohnraum auf kleiner Fläche wirkten dem Flächenfraß entgegen. Sozialer Wohnungsbau sei ein Thema. Ruderting brauche auch mehr Mietwohnungen. Es werde eine Ideenliste erstellt und dem Gemeinderat und Planer vorgelegt.
Zu Beginn der Sitzung ging es um die „gesunde Gemeinde“. Hierzu habe ein Treffen mit Franziska Solger-Heinz vom Landratsamt stattgefunden, berichtete Müller. Es habe sich ein Strategieteam gegründet. In Ruderting gebe es schon viele Angebote, zum Beispiel Bewegungsparcours, Wanderwege, Vereine, die zur Bewegung anregen, Gemeinschaftsaktionen und Gesundheitstage. Erstmals habe 2017 ein Familienwandertag stattgefunden. Die medizinische Versorgung vor Ort sei sehr gut. Auch die vhs sei wieder mit Gesundheitsangeboten vor Ort.

 

Kurse für „Couchpotatoes“ und „Verschnaufpausen“

 

Heidi Mader präsentierte das Jahresprogramm zur „gesunden Gemeinde“, das eine Arbeitsgruppe um Stefanie Wurm von der Gemeinde erstellte. Im Februar und März finden ein Einsteiger-Kochkurs „chinesische Medizin“ mit Romana Popp und ein Kurs „Verschnaufpause“ über Entspannungstechniken, Yoga und ein Meditiationsprogramm aus Konzentrations- und Bewegungsübungen statt. Markus Hanzsek lädt im April, Mai und Juni zu einen Workshop für Ernährungsmuffel unter dem Motto „Couchpotatoes“ ein. Im August veranstaltet die Gemeinde einen Familienwandertag nach Gramming in Tiefenbach. Albert Bonell bietet im September und Oktober eine Info-Veranstaltung für Senioren über Bewegung im Alter an.